Der stille Tod der Raffinerie Wilhelmshaven

Wilhelmshaven (dapd-nrd). Seit eineinhalb Jahren befinden sich die 350 Mitarbeiter in Deutschlands zweitgrößter Raffinerie in Wilhelmshaven in einem Zustand aus Hoffen und Bangen. Die Produktion in der Anlage ruht wegen der Wirtschaftskrise seit Oktober 2009.

Ein Jahr später verkündete die US-amerikanische Betreiberfirma ConocoPhillips, die Raffinerie in Niedersachsen in ein Tanklager mit lediglich 50 Beschäftigten umzuwandeln oder sie zu verkaufen. “Seitdem hoffen wir jeden Tag, dass wir endlich verkauft werden”, sagt der Betriebsratsvorsitzende Uwe Geertsema. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung sucht Geertsema nach einem Investor. Passiert ist aber bislang noch nichts. Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) macht dafür den US-Konzern verantwortlich, der nach seinen Angaben offenbar gar nicht verkaufen wolle, obwohl es zahlreiche Interessenten gebe.

Faktisch ist die Raffinerie bereits ein Tanklager. Mineralöl wird per Schiff angeliefert und per Tanklastwagen weitertransportiert. Statt Rohöl in Benzin umzuwandeln, sind die Mitarbeiter lediglich mit Verlade- oder Reparaturarbeiten beschäftigt.

Geertsema weiß, dass dies kein Dauerzustand sein kann. 60 Beschäftigten sei bereits gekündigt worden. “Nur ein Verkauf würde die Arbeitsplätze sichern. Ein reines Tanklager ist auf Dauer keine Alternative”, sagt der Betriebsratschef. Parallel wird verhandelt. Alle Rettungskonzepte und Sozialplanentwürfe des Betriebsrats seien jedoch von der Geschäftsleitung abgelehnt worden. Vor diesem Hintergrund sei das aktuelle Arbeiten im “luftleeren Raum” nicht sonderlich motivationsfördernd.

Der Parkplatz vor dem direkt an der Nordseeküste liegenden Gelände mit den riesigen Tanks ist derzeit halbleer. Auf vielen der verbliebenen Autos kleben Aufkleber mit dem Schriftzug “Raffinerie mit Zukunft – Wir kämpfen dafür!” Für die Konzernspitze wurden Schilder mit Parolen wie “We fight for the refinery” oder “Refinery for our future” an Zäunen und Toren aufgehängt.

Oberbürgermeister Menzel hat genug von diesem Schwebezustand. Er holt am Freitag zu einem Rundumschlag mit schweren Vorwürfen gegen ConocoPhillips aus. Es habe seit einem halben Jahr keinen Kontakt zur Betreiberfirma in Houston/Texas gegeben, sagt er im Rathaus. Das Stadtoberhaupt befürchtet, dass der Konzern sich schon entschieden habe, die Raffinerie stillzulegen, um die Kapazitäten auf dem Mineralölmarkt herunterzufahren und damit die Preise in den ebenfalls zu Conoco gehörenden Jet-Tankstellen hochzuhalten.

Der Konzern betreibe eine Politik des Verschleppens und Verschleierns, sagt der SPD-Politiker. “Ich fühle mich im Stich gelassen und erwarte endlich eine Erklärung von ConocoPhillips. Das ist sie der Öffentlichkeit in Wilhelmshaven schuldig”, betont Menzel. 20 Anfragen von möglichen Investoren seien weitergeleitet worden. Er selbst habe Gespräche mit potenziellen Kaufinteressenten geführt, die ernsthafte Angebote und entsprechende Summen geboten hätten. Diese seien jedoch erst gar nicht zu dem von ConocoPhillips genannten Unterhändler, der Deutschen Bank in London, vorgedrungen.

Betriebsratschef Geertsema hat die Hoffnung auf einen Fortbestand trotz allem noch nicht aufgegeben. Die Führungsspitze in Houston habe ihm mitgeteilt, dass es bis Ende des Monats Neuigkeiten geben solle. Und am 1. April findet die nächste Sitzung einer eigens eingerichteten Einigungsstelle statt, auf der erneut über einen Interessenausgleich verhandelt wird. “Der Kampf geht weiter. Wir geben nicht auf”, sagt Geertsema.

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Kommentare: 1
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