Strukturreform der Bundeswehr bleibt weiterhin Hängepartie

Sven Ambrosy, Volker Block, Karin Evers-Meyer und Howard Jacques
Sven Ambrosy, Volker Block, Karin Evers-Meyer und Howard Jacques

WILHELMSHAVEN /SG Näheres weiß man nicht – so lässt sich der aktuelle Stand der Bundeswehrreform auf den Punkt bringen. Fest steht: Die Bundeswehr wird verkleinert. Standorte stehen zur Diskussion. Bleibt die Frage: Wie wird sich das auf Wilhelmshaven und die Region auswirken – auf die Standorte und zivilen Angestellten?Antworten gab die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer am Montagabend nicht: „Der Marine­stützpunkt bleibt erhalten, aber wie weit Wilhelmshaven einen Beitrag leisten muss, weiß man noch nicht“, sagte sie. Der Arbeitskreis Sicherheit des SPD-Kreisverbands Wilhelmshaven hatte sie eingeladen, wollte Neuigkeiten erfahren.

Vor allem bei zivilen Angestellten im Marinearsenal herrscht Ungewissheit. „Wir haben schon viele Stellen verloren, wir wollen nicht noch mehr verlieren“, betonte Howard Jaques, Sprecher der Arbeitsgruppe.Doch die Hängepartie in Sachen Bundeswehrreform werde noch eine Weile andauern, erklärte Karin Evers-Meyer, die im Verteidigungsausschuss sitzt. „Wer heute behauptet, er kenne das Ergebnis, der lügt.“ Eine Diskussion über Standorte und den Umfang der Teilstreitkräfte ergebe zurzeit keinen Sinn. Der neue Verteidigungsminister Thomas de Maizière – Nachfolger von Karl Theodor zu Guttenberg – wolle sich nicht vor der Sommerpause festlegen. Erst im Herbst soll feststehen, welche Standorte erhalten bleiben. „Der Minister will sich Zeit nehmen und keine vorschnellen Entscheidungen treffen.“ Die Bundestagsabgeordnete betonte, dass die Jadestadt im Vergleich zu anderen Standorten zu den Gewinnern vergangener Reformen zählte. Heute sei Wilhelmshaven der zweitgrößte Bundeswehrstandort und größte Marinestützpunkt. Auf Optimismus wollten sich viele Gäste der Veranstaltung nicht verlassen: „Wir müssen enorm wachsam sein und beobachten, was da passiert.“ Für Wilhelmshaven und die Region hätte eine Reduzierung der Stellen verheerende Folgen. Jeder vierte Arbeitsplatz geht auf die Bundeswehr zurück, jede dritte Familie sei abhängig von der Bundeswehr. Sorge bereite das Thema Marinearsenal und der Streit um das richtige Konzept. Stadtrat Jens Graul: „Marine in Wilhelmshaven – das ist wie Bergbau im Ruhrgebiet. Nur mit dem Unterschied, dass sie Zukunft hat.“ Die Region sei schon reichlich zur Ader gelassen worden – vor allem Standorte in Friesland. Man müsse nun geschlossen mit den bestehenden Stärken auftrumpfen, um Schlimmeres zu verhindern. Das betonte Frieslands Landrat Sven Ambrosy, der an der Veranstaltung teilnahm. Dass zum Beispiel die verbliebenen Objektschützer in Upjever eine „schnell zu verlegende Truppe“ sei, befürchtet auch Evers-Meyer.„Wir wollen die Objektschützer nicht verlieren, in dieser Angelegenheit müssen wir alle zusammenhalten“, sagte Ambrosy. „Wenn nach objektiven Kriterien über die Zukunft der Standorte entschieden wird, müsste unsere Region gut dastehen.“ Ein weiteres Problem, das auf die Bundeswehr zukommen wird, sei die Nachwuchsgewinnung. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht ginge es um die Frage nach der Attraktivität, betonte Evers-Meyer. Deutlich mehr Pendlerwohnungen für Bundeswehrangehörige seien ebenso notwendig wie Betreuungseinrichtungen für Familien und attraktive Weiterqualifizierungen. „Die Bundeswehr wird noch viel stärker mit der freien Wirtschaft um gute Köpfe konkurrieren müssen.“ Rund eine Milliarde Euro müsste sie zudem aufbringen, um neue Kräfte anzuwerben, schätzt Evers-Meyer. Die geplante Reduzierung der Kreiswehrersatzämter auf 19 (von derzeit 52) sei ebenfalls nicht förderlich. „Damit sinken die Chancen, sich in der Fläche als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.“Siehe auch Seite 23ZITAT

 

© Copyright Wilhelmshavener Zeitung vom 30.03.2011, Seite 7

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