Ausstieg wird für Industrie teuer

Dr. Christoph Maurer sprach über die Folgen des Atomausstiegs. WZ-FOTO: Knothe
Dr. Christoph Maurer sprach über die Folgen des Atomausstiegs. WZ-FOTO: Knothe

VORTRAG Ingenieur spricht vor SPD-Ratsfraktion über die Folgen der Energiewende

 

VON CHRISTIAN PAUL

 

WILHELMSHAVEN /cp Die Bundesregierung hat die Energiewende beschlossen. Bis Ende 2022 soll der letzte deutsche Atommeiler vom Netz gehen. Dipl.-Ing. Dr. Christoph Maurer berichtete der SPD-Ratsfraktion am Montagabend, welche Folgen dieser Ausstieg seiner Meinung nach haben wird.

Der Termin sei ehrgeizig, aber machbar. Die höheren Kosten werden aber besonders energieintensive Unternehmen zu spüren bekommen, so Maurer Dr. Christoph Maurer ist Co-Geschäftsführer des Beratungsunternehmens für Energiewirtschaft und -technik Consentec aus Aachen.

 

Er schilderte den Fraktionsmitgliedern aus der nüchtern-rationalen Sicht eines Technikers, welche Folgen der Ausstieg für private Haushalte und Industrie, aber auch für die Energiewirtschaft hat. Der Ingenieur gab zu bedenken, dass diese Entscheidung der Bundesregierung von europäischer Tragweite sei und bemängelte eine fehlende Abstimmung mit den Nachbarländern. Besonders treffen werde der Ausstieg und die Verteuerung des Strompreises Industrien mit hohem Energiebedarf, so Maurer.

 

Sie seien von einer Verteuerung des Großhandelspreises stärker betroffen als Privathaushalte, da bei ihnen der prozentuale Anteil der Stromerzeugungskosten an den Gesamtkosten für den Strom deutlich höher sei. Die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit von Stromimporten müsse auch weiterhin gewährleistet bleiben. „Wenn wir billiger Strom einkaufen, als produzieren können, ist das völlig in Ordnung“, so Maurer, „allerdings wäre Abhängigkeit fatal“.

 

So ist beispielsweise Frankreich übers Jahr gesehen zwar Europas größter Stromexporteur. Allerdings importiert Frankreich in den kalten Wintermonaten selbst Strom, so dass dieser Markt für potenzielle deutsche Bedürfnisse wegbrechen würde. Zudem würden der importierte Strom mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in Kernkraftwerken produziert werden. Um die Versorgungssicherheit auch über 2022 hinaus zu erreichen, müssten nach Maurers Schätzung zehn bis 20 neue konventionelle Kraftwerke gebaut werden, erheblich mehr als momentan in Bau oder Planung sind. Denn nicht nur Atom-, auch alte Kohlekraftwerke müssten auf absehbare Zeit ersetzt werden.Skeptisch ist der Techniker auch, was die baldige Umstellung auf erneuerbare Energien angeht. „Realistisch betrachtet werden wir noch 20 bis 30 Jahre von konventionellen Kraftwerken abhängig sein“, sagt Maurer. Selbst wenn sich ausreichend Platz für Windräder finden würde, bliebe das Problem der Stromspeicherung. Entsprechende Technologien seien zurzeit noch viel zu teuer.

 

Dennoch ist Maurer nicht grundlegend gegen einen Atomausstieg. Die komplette Kehrtwende in der Politik binnen weniger Wochen würde aber zu einem Zielkonflikt führen, der das Energiedreieck zwischen Versorgungs­sicherheit, Effizienz und Umweltverträglichkeit aus dem Gleichgewicht bringe.

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