Nerviges Umsteigen bei Bus und Bahn

 

Wer mit dem Bus fährt, benötigt Geduld. Zu wenig Orte auf dem Land sind miteinander verbunden.

 

 

 

VON MANFRED LEHMANN

 

ACCUM Wie kommt man per Bus vom Wilhelmshavener Südstrand nach Neuenburg oder ins Wangerland? Umsteigen, umsteigen, umsteigen lautet die Antwort und zwischendurch immer warten.

 

Ähnlich geht es Urlaubern, die per Bahn von Hannover nach Langeoog fahren wollen. Im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gibt es noch viel zu tun, um ihn für die Nutzer attraktiv und für die Unternehmen rentabel zu machen. Die SPD in Friesland und Wilhelmshaven hatte als Ziel „verändern, verbessern, verbinden“ genannt und am Freitagabend zu einer Podiumsdiskussion in die Accumer

 

Mühlenscheune eingeladen.

 

 

Mit dabei: Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (Sande), Jan Enzensberger als Niederlassungsleiter der Weser- Ems-Busverkehrs GmbH, Geschäftsführer Jürgen Rachner von der Verkehrsregion- Nahverkehr Ems-Jade (VEJ) und Marcel Schütz, Organisationswissenschaftler für Fernverkehrsanbindungen in Niedersachsen.

 

 

 

Die Moderation hatte Hartmut Tammen-Henke, Vorsitzender der SPD in Wilhelmshaven-Nord, und die SPD-Kreisvorsitzende in Friesland, Marianne Kaiser- Fuchs, hieß die Experten und Zuhörer willkommen.

 

Die Mobilität in Stadt und Land habe große Bedeutung, müsse gestärkt werden und der ÖPNV sei in Niedersachsen zuständig für Distanzen bis 50 Kilometer oder eine Stunde Fahrzeit, sagte Tammen- Henke und Kaiser-Fuchs fügte hinzu, viele Orte müssten besser miteinander verbunden werden. Rachner dazu:

 

Es gelte, Lücken zu schließen und nicht nur Schüler dorthin zu befördern, wo sie hin wollen. Fahrpläne müssten individueller gestaltet, ein ebenerdiges Einsteigen in Busse gewährleistet und den Menschen das Busfahren einfacher gemacht werden.

 

Für eine Million Bewohner der ostfriesischen Halbinsel sei im VEJ die Kreisgrenzen überschreitende Zusammenarbeit der Kommunen zu optimieren. Enzensberger (VEJ), der rund 20 Omnibusunternehmen

 

vertrat, bestätigte deren Bemühen, ihre Angebote zu erweitern. Habe man mehr Fahrgäste, könne man die

 

Fahrkarten billiger anbieten, ohne in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Doch

 

„Car-Sharing“ und „Rent a Bike“ seien auch Möglichkeiten, Strecken preiswert zu befahren. Olaf Lies bedauerte, dass die technischen Möglichkeiten zur minuziösen Anzeige der Abfahrtzeiten in Wilhelmshaven

 

noch nicht den Standard von Oldenburg und Hannover erreicht haben. Die Landesregierung habe den Landkreisen und kreisfreien Städten zusätzliche 20 Millionen zur Verfügung gestellt, die auch zweckgebunden für bessere Nahverkehrspläne einzusetzen sind.

 

Man wolle im ländlichen Raum zu flexiblen Fahrplänen kommen, bei denen Benutzer die Busse auch per Smartphone anfordern können, sagte Enzensberger. Schütz fügte hinzu, es sei notwendig, die eigene Region mit anderen Regionen besser zu verbinden. Lies wandte sich gegen Bestrebungen, für Fernbusse

 

eine Maut einzuführen. Die Politik würde damit die Fahrten künstlich verteuern. Hohe Attraktivität habe aber nach wie vor der Schienenverkehr. Hier sei eine Durchgängigkeit auf langen Strecken erstrebenswert.

 

Nach der Elektrifizierung bis Wilhelmshaven (2020/22) möchte man Fernverbindungen

 

in der Qualität von Emden erreichen. Den Anfang könnten IC-Züge machen, die jetzt am späten

 

Abend in Oldenburg stehen bleiben und früh morgens wieder abfahren. Die bestehenden Verbindungen mit

 

der Nordwestbahn nach Oldenburg seien aber super und doppelstöckige Regionalzüge ab Oldenburg eine weitere Verbesserung, so der Minister. In Jaderberg werde bis 2018 ein Zustieg fertig; doch vorher gebe es wegen des Ausbaus der Strecke Sande-Varel noch einmal Schienenersatzverkehr.

 

Man werde aber die mit demografischer Entwicklung und fehlender Rentabilität begründeten Argumente der

 

Bahn AG nicht akzeptieren, abgeschrieben und abgehängt zu werden. Die positive Wachstumsregion brauche den Fernverkehr.

 

Bezugnehmend auf die Einführung zahlreicher E-Bikes und des zunehmenden Fahrradverkehrs nannte Lies neue beispielhafte Radschnellwege bei Göttingen und Braunschweig. Das Land habe den Ausbau von Radwegen mit 38 Millionen Euro unterstützt. Auch die Lücke zwischen Sillenstede und Sengwarden solle damit geschlossen werden.

 

An der Diskussion beteiligten sich Besucher mit kritischen Bemerkungen zum Wilhelmshavener Bahnhof und Vorschlägen zum Busverkehr.

 

 

Quelle: Wilhelmshavener Zeitung - 30.05.2016

 

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